Ostendorfs Akquise-Tätigkeiten hatten sich gelohnt. Er hatte es geschafft, innerhalb kürzester Zeit eine Truppe fähiger Musiker um sich herum aufzubauen, die gleichzeitig allesamt miteinander befreundet waren. Ab sofort durfte außerdem der Proberaum der professionellen Cover-Band „Planet Five“ mit genutzt werden, in der Gorissen Teil ist. So stand schnell ein erstes vollständiges Set, um einen ganzen Abend in der Kultkneipe „Jazzkeller“ gestalten zu können.

 

Diesen frühzeitlichen Auftritt von Glasgow Kiss besuchte auch Sammy Boderke, der mittlerweile fertig studiert hatte und längst ins Rheinland zurück gekehrt war. Er hatte sich standesgemäß ausgelebt und sich mit einer Filmproduktion selbständig gemacht. Musikalisch war er soweit gereift, dass er sein Schlagzeug längst verkauft hatte und sich freizeitlich mit der Produktion elektronisch erzeugter Musik über Wasser hielt. Mit einem echten Instrument auf der Bühne gestanden hatte er selbst schon seit 15 Jahren nicht mehr.

 

Doch was Boderke an diesem Abend sah, sollte ihn nicht mehr loslassen. Da standen doch tatsächlich zwei seiner ehemaligen Bandkollegen zusammen mit seinem ehemaligen Schlagzeuglehrer und seinem ehemaligen Zivildienst-Kollegen auf der Bühne und lieferten ein erstklassiges Bühnenprogramm ab. Besonders beeindruckte Boderke der mehrstimmige Gesang, der fast alle Songs zum Hörerlebnis machte.

 

Als der Schlussakkord verklungen war wusste der zielstrebige Boderke genau, dass nun die Zeit zum Handeln gekommen war. Gleichzeitig fiel ihm ein Stein vom Herzen, dass die Position des Schlagzeugers mit Gorissen derart stark besetzt war, dass mit traditionellen Fehlbesetzungen nicht zu rechnen war. Nein, was der Band fehlte war ganz klar der Bass. Und ganz ehrlich, ein Bass gehört nun wirklich in jeden Song rein.

 

Die Strategie lag also auf der Hand. Bevor Ostendorf die Band durch einen Bassisten komplettieren konnte, brachte sich Boderke durch geschickte Argumentationen selbst ins Spiel. Sicherlich, er hatte noch nie in seinem Leben Bass gespielt bzw. einen besessen. Aber allein die Tatsache, dass er schließlich auch mit allen Bandmitgliedern befreundet sei und sogar eine fünfte ordentliche Stimme mitbringen könne reichten allen Beteiligten aus, um den vielseitigen Hobbymusiker augenblicklich in die Band aufzunehmen. Als Gegenleistung kaufte Boderke einen Akustik-Bass, der heute gerne mal bandintern herum gereicht wird.