Mit Gorissen stand das solide Grundgerüst, doch die musikalische Baustelle bei Glasgow Kiss war noch lange nicht abgeschlossen. Wer konnte die technischen Defizite im Gitarrenspiel auffangen? Berger hatte eine gute Rhythmik, aber es musste jemand her, der die Songs mit filigranen Soli veredeln konnte.

Ganz klar, es musste ein weiterer Gitarrist her, einer mit wieselflinken und kraftvollen Flossen. Und wo man ohnehin dabei ist, alte Weggefährten zu akquirieren, liegt ein Name geradezu auf der Hand. Bernd Gröters, ehemaliger Zivildienst-Kollege, Freund und Teilnehmer an den diversen, legendären Schottlandtrips mit Berger und Ostendorf.

Der langhaarige Sympathieträger war zwar als Flitzefinger bekannt, nichtsdestotrotz hatte er stets einen äußerst breiten musikalischen Horizont. Erst kürzlich hatte er bei den „Fools“, einer anderen Krefelder Akustiktruppe ausgeholfen. Dort hatte er mit dem legendären Rainer Rindermann einen hervorragenden Mentor an der Westerngitarre.

Doch ein immenses Problem machte Gröters Akquise fast unmöglich. Der scheue Musiker wohnt unter dem Namen „Schröder“ abseits der Zivilisation in Krefeld-Hüls. Würde er die beschwerliche Reise zu den Proben ins  Krefelder Zentrum auf sich nehmen? Schaudernd dachte der Rest der Band an den Mottospruch der kleinen, in sich geschlossenen Hülser Gemeinde: „You can check out any time you want, but you can never leave“.

Außerdem spielte der zurückgezogene Saitenvirtuose in einer Heavy-Metal-Cover Band namens „Lewinsky“. Auf den von Ostendorf geplanten weibischen Sound würde er sicherlich keinen Bock haben. Aber wozu ist man schließlich jahrelang mit dem Burschen befreundet?

Und so packten Berger und Ostendorf den sogenannten Herrn Schröder über die stark ausgeprägte nostalgische Seite seiner Persönlichkeit. Sie erinnerten ihn an die glorreichen Zeiten und die Lagerfeuer in den Highlands. Zudem war der bereits bestehende Name „Glasgow Kiss“ auch seine Geschichte. Am Ende hatten sie ihn weichgekocht und Ostendorf den nächsten musikalischen Meilenstein erreicht für sein Musiker-Casting unter Freunden. Langsam entstand so etwas wie eine richtige Band.