Nach dem furiosen Gig im Irish Pub war den beiden Musikern sofort klar, dass sie an diese Erfolgsgeschichte anknüpfen wollten. Ihre Stimmen harmonierten und taugten für jede Bühne. Wenn es Defizite gab lagen diese eher im instrumentalen Bereich. Vor allem Ostendorf war nicht als Timing-Monster bekannt, denn seine hyperaktive Persönlichkeit übertrug sich eins zu eins auf die Rhythmik seines Gitarrenspiels.

Sein Tempo unterlag ähnlichen Schwankungen wie das Wetter an der schottischen Westküste an einem typischen April Tag. Seine Rhythmik erinnert zeitweise an kleine Hundewelpen, die auf einer Frühlingswiese Schmetterlingen hinterher jagen. Eins war also sicher: es musste eine stramme Takt-Lösung her. Und da gab es musikalisch wie menschlich genau einen Wunschkandidaten: Gory Gorissen – der beinharte Rhythmus–Assassin.

Gorissen war nicht nur ein erstklassiger Drummer, sondern konnte auch gesanglich ordentlich einen raushauen. Das Problem war lediglich, ob Gorissen Zeit und vor allem Bock haben würde, neben seinen vielfältigen musikalischen Verpflichtungen Entwicklungshilfe bei zwei Altrockern zu leisten.

Da Gorissen aber grundsätzlich nicht nein sagen kann, wenn sich mehrere Leute zum Mucke machen und Labern zusammentun, sagte er zumindest für eine Probe zu und die drei trafen sich in Bergers Bude. Zum großen Erstaunen aller Beteiligten schien Gorissen jedoch Spaß an der Sache zu haben. Wahrscheinlich, weil sich Berger und Ostendorf ohne große Gegenwehr voll labern ließen. Er kam, sprach und groovte.

Anfangs noch eher zurückhaltend mit Solobeiträgen mutierte Gorissen im Lauf der Zeit zu einem echten Frontschwein am Mikrofon, wobei seine Bandkollegen ihm tatsächlich die Stücke vorschlagen durften. Sein Eintritt in Krefelds älteste Boygroup war sicherlich ein Meilenstein der Bandgeschichte von Glasgow Kiss und gab dem ganzen Projekt einen mächtigen Schub nach vorne.