Mit Berger hatte Ostendorf seinen verloren gegangenen Blues Brother wieder im Boot. Acht Wochen blieben den beiden, um sich auf den bevorstehenden Gig im Irish Pub vorzubereiten. Und es gab viel zu tun. Klar, proben und üben ist wichtig, aber die halbe Miete fährt man schon mal ein, wenn man unter einem knalligen Namen angesagt wird. Ein Bandname musste her. Irgendwas, was direkt auf die Glocke haut.

Während des Brainstormings erinnerten sich Ostendorf und Berger an ihre legendären und mit Ihrem Kumpel Gröters gemeinsam verbrachten Schottlandurlaube. Besonders tief ins Gedächtnis gebrannt hatten sich die feuchtfröhlichen Abende in Glasgow. In manchen der dort frequentierten Kneipen ergab die Gesamtzahl der Zähne des verkehrenden Publikums gerade mal ein komplettes Gebiss.

Der Einladung eines Ian MacFadyen folgend landeten die drei an einem Abend in einem herunter gekommenen Snooker Club, dessen Eingang auf einem ebenso zwielichtigen Hinterhof lag. Der Schuppen wäre jedenfalls die perfekte Location für einen Trainspotting – Dreh gewesen. Und Ostendorf war auch nicht entgangen, dass Ian MacFadyen ironischerweise auch noch aussah wie die dunkelblonde Version von Begbie.

Im Verlauf des Abends kam Lord Berger dann auf die völlig suizidale Idee, eine Diskussion über Religion und Fußball zu beginnen. Ostendorfs Versuche, das Gespräch energisch abzuwürgen verliefen im Sande. Kurze Zeit später lernte der sorglose Berger, was unter dem Begriff „Glasgow Kiss“ zu verstehen ist. Gott sei Dank vorab nur in Form verbaler Aufklärung, denn es handelt sich eher um die unromantische Art und Weise, seiner Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Eine Kopfnuss umschreibt den Vorgang am besten. Das war es! Voll auf die zwölf, aber romantisch beschrieben.

Kurze Zeit später traten die beiden Freunde unter dem Namen „Glasgow Kiss“ im Irish Pub auf. Der große Moment war endlich gekommen, wo Ostendorf beweisen konnte, dass er mit daher gelaufenen Musikbarden längst noch mithalten konnte. Und Ostendorf sang sich mit seiner treuen Stütze im Rücken regelrecht in Rage. Song für Song erntete er dafür mehr Applaus, bis die beiden Musiker am Ende des Abends frenetisch von Ihrem Publikum gefeiert wurden. Das war es, worauf Ostendorf ab sofort nie wieder verzichten wollte. Er hatte es geschafft. Er war wieder da!