Als Ostendorf nach dem Abend im Irish Pub erwachte, wurde ihm der desolate Zustand seines Lebens bewusst. Die Beziehung im Arsch, Dispo mal wieder voll ausgeschöpft und jetzt stand zudem ein nicht einlösbares Versprechen im Raum. Wie zum Teufel sollte er ohne Band einen ganzen Abend musikalisch gestalten? Und das Ganze in acht Wochen?

Die Gitarre stand schon lange nur noch als Dekoration in der Wohnung herum. Der letzte verzweifelte Versuch, Eindruck auf die gelegentlichen Damenbesuche in seinem damaligen Domizil zu machen.

Er erinnerte sich wieder an die guten alten Zeiten, in denen er regelmäßig an der Klampfe aktiv war. Damals, Mitte der 90er mit „The Prime of Life“ und seinen Zivi-Kollegen. Jetzt empfand Ostendorf den Bandnamen angesichts seiner aktuellen Situation als boshafte Ironie des Schicksals.

Drei Kaffee, zwei Kippen und ein kaltes Bad sollten Ostendorfs Schwermut mildern. Und während er Platz für seine Beine in der viel zu kleinen Keramik suchte, passierte es auf einmal. Ostendorf schoss eine nahezu brillante Idee durch den Kopf. Vielleicht deshalb, weil sie so nahe lag.

Warum nicht Matthias Berger fragen, dem damaligen Frontmann von „The Prime of Life“. Schließlich waren die beiden ja immer noch dicke Freunde. Und Berger war nach wie vor ein super Sänger und ein harmonisch, sowie rhythmisch vortrefflicher Gitarrist.

Ostendorf sprang augenblicklich aus der Badewanne und rannte tropfend zum Telefon. Fünf Minuten später hatte er Berger von dem ganzen Dilemma mit der Wette aus dem Irish Pub berichtet. Und da Berger nicht nur ein guter Musiker, sondern vor allem ein großartiger Kumpel war, sagte er spontan seine Hilfe zu. Zu diesem Zeitpunkt konnte er ja auch noch nicht ahnen, dass er Ostendorf niemals mehr los werden würde.