Drei Fünftel der heutigen Akustiktruppe Glasgow Kiss gingen also mit der Band „The Prime of Life“ bereits in den 90er Jahren einen gemeinsamen musikalischen Weg. Während Boderke wie gewohnt am falschen Instrument Platz nahm, versuchte sich Ostendorf an der Gitarre als niederrheinisches Pendant zu „The Edge“. Berger, der schon damals als einziger seine musikalischen Talente realistisch einschätzen konnte, war Sänger und spielte die Rhythmus-Gitarre. Mit Sven B. am Bass und Philipp H. am Keyboard war die Band perfekt.

Vor allem hatte man damals noch Ambitionen, nicht nur zu covern, sondern auch eigene Songs zu schreiben. So brachte man Evergreens wie „Here i leave, watch me go“ und „When you ask me what I feel“ auf den Weg, die noch heute bei Konzerten von Glasgow Kiss gefordert, aber nicht gespielt werden. Ein rares Tondokument erinnert an die glorreiche Zeit, in der sich die ambitionierten Musiker als Songwriter auslebten.


When you ask me what I feel




Wie auch immer, die damals noch in Ansätzen vorhandene jugendliche Unbekümmertheit in Verbindung mit einem großen Bekanntenkreis der Bandmitglieder, sorgten für die ein oder andere ausverkaufte Hütte in der Samt- und Seidenstadt. Solchermaßen erfolgsverwöhnt kam es zum ersten Auswärtsspiel in Lippstadt. Die überschaubare Anzahl und gedämpfte Euphorie des Publikums hinterließ tiefe Spuren in den zarten Seelen der Musiker. Obwohl dieser erste Gig vor unbekanntem Publikum nicht gleichzeitig der letzte von „Prime of life“ gewesen sein sollte, war allen klar, dass an diesem Abend etwas verloren gegangen war. Etwas, das nicht zurückzuholen war.Der jugendliche Traum von internationaler Ruhm und Ehre, er war dahin.

Kurz darauf entschlossen sich drei Bandmitglieder, ein neues Leben als Student zu beginnen und begaben sich ins Exil nach Braunschweig, Aachen und Hamburg. Berger und Ostendorf blieben im Zenit Ihres kreativen Schaffens zurück und konzentrierten sich auf ihre beruflichen Karrieren als Sozial-Fuzzis. Hier hatte der Zivildienst deutliche seine Spuren hinterlassen. Doch besonders Ostendorf sollte fortan unter der folgenden musikalischen Durststrecke leiden.