Wenn es einen Musikgott gibt, hat er die talentierten Musiker spätestens direkt nach ihrem Abitur zusammen geführt. Wie anders sollten wir die schicksalhafte Fügung interpretieren, dass zu jener Zeit Berger, Boderke, Gröters und Ostendorf unabhängig voneinander ihren Zivildienst an der gleichen sozialen Einrichtung – einer Schule für Körperbehinderte absolvierten.

Es dauerte nicht lange, bis sich die Gleichgesinnten zu einer zarten zwischenmenschlichen Bande formierte, wie sie nur unter Menschen mit gegenseitiger Seelenverwandtschaft entstehen kann. Obwohl eine für damalige Verhältnisse eher selten gewählte Daseinsform, bestand die füreinander empfundene Sympathie erstaunlicherweise auch in nüchternem Zustand fort.

Gröters hatte sich als Lead-Gitarrist der anhängigen Zivi-Band bereits einen Namen als echter Rockstar gemacht. Berger wiederum fiel auf durch seine solide Rhythmusgitarre und extraordinäre Stimmfarbe. Der musikalisch vielseitig talentierte Boderke schenkte ausgerechnet und erneut dem Instrument seine Treue, an dem er besagtes Talent nicht wirklich effektiv umsetzen konnte – dem Schlagzeug. Als kompetenter Schlagzeuglehrer und Meister seines Fachs spricht Gory aus Rücksicht auf den orientierungslosen Musiker nur ungerne über diese Zeit.

Ostendorf hingegen machte gewaltige Fortschritte, indem er mittlerweile fehlerfrei „Pitsch Patsch Pinguin“ im morgendlichen Stuhlkreis der behinderten Kinder auf der Gitarre begleiten konnte. Gesanglich überzeugte er über seine unfassbar voluminöse Stimme, mit der er gleichen Stuhlkreis auch jederzeit zusammenschreien konnte.  

Geschmacklich war Ostendorf zu diesem Zeitpunkt zwar noch stark von melancholischen irisch–schottischen Weisen und Freddy Quinn geprägt, aber auch das verzieh ihm sein dankbares Publikum gerne. Während Gröters als Einziger an anhaltende Verträge mit Metal-Bands gebunden war, beschlossen die anderen drei, Ihre mysteriöse Zusammenführung als Ironie des Schicksals zu werten und gründeten 1994 Ihre erste gemeinsame Band: „The Prime of Life“.