Zeitgleich zu Bergers musikalischer Entwicklung in Ostdeutschland tat sich im tiefsten Westen noch viel mehr. Etwa die instrumentale Ausbildung des jungen Boderke, der sich in den Kopf gesetzt hatte, alles per „learning-by-doing“ abzufrühstücken. Doch „nix da“ sagten die Kollegen seiner ersten Schülerband namens „Final at the Airport“ – wer auch immer sich das ausgedacht hatte.

Angespornt durch diesen liebevollen Zuspruch machte sich Boderke auf die Suche nach einem geeigneten Lehrer. Es sollte einer sein, dem nicht auffallen würde, dass Boderke sich inzwischen längst eine vollkommen eigene Technik angewöhnt hatte, die niemals wieder heraus zu bekommen war. Eine ausgiebige Theken-Recherche nach dem besten Schlagzeuger Krefelds ergab zwei Namen: Michael Mertens oder Gory Gorissen. Da Boderke die zweite Alliteration lustiger fand, stand er wenig später bei Gorissen auf der Matte, um sich als neuer Rohdiamant der Musikszene zu verkaufen.

Dieser erklärte sich aufgrund des vorgegebenen Talents bereit, ihm rhythmisch unter die Arme zu greifen. Schnell kristallisierte sich nicht nur Sympathie, sondern auch der Anschein heraus, dass man mit Gorissen nach gepflegten Unterrichtsstunden ebenso gepflegt noch bei einem Bier im Stammlokal Dr. Flotte fachsimpeln konnte.

Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, hatte Boderke elementarste Probleme mit der Koordination. Wenn die rechte Hand eine Achtel-Figur auf der Hi-Hat machen sollte, war der rechte Fuß nicht unabhängig davon zu bewegen. Mit Links war es noch viel schlimmer. So stellte sich allein „Walk this way“ von Aerosmith leider schon als unüberbrückbares Hindernis dar. Die Unterrichtseinheiten wurden folgerichtig immer kürzer, die anschließenden Besuche bei Dr. Flotte dafür immer länger. Wenig später wurde der Dienst am Fell komplett quittiert. Das Geplänkel rund um Kneipenbesuche war längst überflüssig geworden.

Trotzdem gelang es dem gewitzten Musiker Boderke, diesen Sachverhalt erfolgreich zu ignorieren und er hielt sich noch ganze sechs Jahre unauffällig als Schlagzeuger in diversen Bands. Danach legte er eine kurze kreative Pause von 16 Jahren ein bis zu seinem großen Comeback bei Glasgow Kiss, wo er es erneut mit Gorissen zu tun bekommen sollte.